30.04.2013
Pressespiegel

Weltklassekunst und Besucher hinter Gittern

Erstellt von Badische Zeitung

Das hochmittelalterliche Mosaik unter der ehemaligen Schutterner Klosterkirche würde in keinem Kunstreiseführer fehlen, wenn es ansprechend präsentiert würde

VON UNSEREM REDAKTEUR RALF BURGMAIER FRIESENHEIM-SCHUTTERN. „Ich würde als erstes zur Flex greifen." Der Zusammenhang, in dem dieser kernige Satz unter beifälligem Kopfnicken der Zuhörer fällt, ist keine Fortbildung von Karosseriebauern, sondern die Fachtagung zur Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie des ehemaligen Klosters Schultern in Friesenheim. Von Donnerstag bis Samstag vergangener Woche haben Fachleute in der Sternenberghalle zusammengetragen, was Stand der Wissens über das einst bedeutende Reichskloster Schuttem ist. Am Ende der eindrucksvollen Bestandsaufnahme stand der leidenschaftliche Appell, quasi die Domenhecke, hinter der ein Schatz den Dornröschenschlaf träumt und die einer gebührenden öffentlichen Wahrnehmung Schutterns im Wege steht, aus der Welt zu schaffen — notfalls mit der Flex. Ausgesprochen hatte den Satz Bertram Jenisch, beim Regierungspräsidium Freiburg für Denkmalpflege zuständig. Jenisch hatte sich auch mit zwei fachlichen Vorträgen an der „In-Wert-Setzung" des „vergessenen Klosters" beteiligt und reihte sich so ein in die Liga von knapp drei Dutzend Wissenschaftlern aus Deutschland und Frankreich, die während der drei Tage deutlich machten, welches enorme — auch touristische — Potenzial eine neue Präsentation der historischen, archäologischen und kunsthistorischen Befunde bieten würde. Vor Jenischs Plädoyer hatte eine doch vergleichsweise hitzige Debatte, um das wunderbare Schutterner Mosaik stattgefunden. Claudia Bodinek hatte das einzigartige Kunstwerk vorgestellt, das in mächtiger romanischer Bildsprache Hochdramatisches zeigt: den biblischen Brudermord von Kain an Abel. Rarität und Schönheit dieses Werks versprechen touristische Anziehungskraft. Für die Wissenschaft stellt der Umstand, dass es sich um eines von nur zwei erhaltenen hochmittelalterlichen Mosaiken nördlich der Alpen handelt, aber ein Problem dar. Mangels Vergleichsstücken mäandern die Datierungsansätze in einem breiten Delta von 1050 bis 1155 nach Christus. Klarer scheint, dass das Mosaik wohl zum zweiten Schutterner Steinkirchenbau, der „karolingisch-ottonischen" Klosterkirche gehörte, die Mitte des 12. Jahrhunderts einem Brand zum Opfer fiel. Die liturgische Funktion der Darstellung ist nicht geklärt, zumal das zentrale Motiv des Tondos fehlt, in dem Kain und Abel nur die Randfiguren sind. Nach mittelalterlicher Dialektik müsste dem Sündenfall des Brudermords eine das Erzverbrechen heilende Darstellung im Zentrum gegenübergestanden haben: Der Auferstandene in triumphierender Majestät oder der alttestamentarische Hohepriester Melchisedech waren hier die Vorschläge von Claudia Bodinek. Vielleicht helfen bei der Rekonstruktion auch weitere Mosaiksteinchen weiter, die bei der Grabung von Karl List in den 1970er Jahren geborgen wurden und bei der Denkmalpflege lagern. Die Leidenschaft, mit der die Fachleute ihre Thesen diskutierten, machte deutlich, was hier — auch touristisch — auf dem Spiel steht und wie wichtig eine bessere Präsentation von Mosaik und Ausgrabung wäre. Immerhin 7 Millionen Mark hatte 1980 das Land es sich kosten lassen, die Grabung von Karl List durch den Einbau einer Betondecke, die den Fußboden der aktuellen Kirche trägt, zugänglich zu halten. Doch vorzeigbar ist das heute kaum noch. Der Raum ist nur schwer zugänglich und hat, wie Bertram Jenisch treffend bemerkte, den Charme eines Heizungskellers. Damit lockt man keine Touristen. Zumal, wenn sie wie Sträflinge durch Gitter von der Hauptattraktion, dem Mosaik, weggesperrt sind. Diese Gitter wecken in Jenisch das Verlangen, zur Trennscheibe zu greifen. Wie man's besser machen kann, zeigt St. Dionys in Esslingen, wo die Grabung unter der Kirche durch neue Ausstellungstechnik wie ein Schmuckstück gefasst ist. Wie man's besser machen könnte, zeigte der Denkmalpfleger anhand von St. Dionys in Esslingen, wo die alte Grabung unter der Kirche durch moderne Ausstellungstechnik wie ein Schmuckstück gefasst ist. Auch ein Sichtfenster im aktuellen Kirchenfußboden von Schuttem kann sich Jenisch vorstellen. Durch eine eingesetzte Panzerglasscheibe könne so das Mosaik unten in der Katakombe schon bei einem normalen Besuch der Kirche sichtbar sein. Zur Finanzierung schlug Jenisch vor, dass Kommunen rechts und links des Rheins, die aus alten Klöstern hervorgegangen sind, sich zusammenschließen sollten, um mit einem schlüssigen Konzept Interreg-Gelder zu beantragen. Aber auch der Ortenaukreis kann hier einen Beitrag leisten, um eine kulturhistorische Rarität, die in keinem Kunstreiseführer fehlen würde, touristisch zu erschließen. Schade, übrigens, dass kein Vertreter des Landratsamts bei der Tagung vorbeigeschaut hat. 

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