05.11.2018
Pressespiegel

Für die Rathauschefin schließt sich ein Kreis

38. Offenburger Wirtschaftsforum ist das letzte seiner Initiatorin Edith Schreiner / Zu Gast im Ortenauer Weinkeller, wo es Platz für acht Millionen Liter Wein gibt

OFFENBURG(BZ). Das 38. Offenburger Wirtschaftsforum fand im Neubau des Ortenauer Weinkellers statt und war zugleich das letzte in der von OB Edith Schreiner zu Beginn ihrer ersten Amtszeit aus der Taufe gehobenen Reihe. Rund 150 Vertreter aus Wirtschaft und Politik folgten der Einladung von Schreiner, für die sich an dem Abend ein Kreis schloss. Rund vier Monate nach der offiziellen Eröffnung nutzten die Gäste die Gelegenheit, den Event- und Genussraum des Weinkellers kennenzulernen und sich in einer Führung die Produktion zeigen zu lassen. In ihrer Begrüßung verwies OB Schreiner auf die unmittelbare Nähe des Kellers zur Zentrale der Edeka Südwest - der hochmoderne Betrieb ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen. Das Stadtoberhaupt gratulierte zum 65-jährigen Bestehen der Einrichtung: Was 1953 in der Zeppelinstraße begonnen hatte, als sich selbstständige Kaufleute der Edeka entschlossen hatten, eine eigene Weinkellerei aufzubauen, vereint heute 353 Vertragswinzer mit einer Gesamtfläche von 560 Hektar Reben. Schreiner sprach von einem "Leuchtturmprojekt für Offenburg", das neue Maßstäbe setze. In einem kurzen Rückblick ging die Oberbürgermeisterin auf das erste Wirtschaftsforum ein, das am 16. Juli 2003 bei der Messe Offenburg stattfand. Es sei eine "deprimierende Veranstaltung" gewesen, bei der das neue Messekonzept mit dem Neubau von Baden-Arena und Oberrheinhalle vorgestellt wurde.Wozu soll so viel Geld investiert werden?, fragten sich die Besucher. Heute sei die Messe "sehr gut aufgestellt" und ein Aushängeschild. Als Aushängeschild gilt mittlerweile auch dasWirtschaftsforum, an dem in den vergangenen 16 Jahren eine Vielzahl von Unternehmen und Einrichtungen teilgenommen haben: "Es war Ihr Interesse und Ihre aktive Beteiligung, die dieses Format zu einem vollen Erfolg gemacht haben", bedankte sich Schreiner bei den Besuchern. Sie hoffe, dass ihr Nachfolger Marco Steffens daran anknüpfe. Dem künftigen OB der Stadt Offenburg könne sie ein gut aufgestelltes Haus übergeben. Die diesjährigen Gewerbesteuereinnahmen von 74 Millionen Euro seien das zweithöchste Ergebnis ihrer Amtszeit. Wobei klar sein müsse, dass eine Stadt immer im Werden sei, niemals im Sein, zitierte sie den Kunsthistoriker Karl Scheffler. Die Besonderheit der Region bestehe vor allem in ihrer Vielfalt: "Ich hoffe, dass es weiterhin so sprudelt."Wobei die gebürtige Schwäbin auch dem Sparen etwas abgewinnen kann: "Dann schaut man wieder, was wichtig ist." Baubürgermeister Oliver Martini ging kurz auf die geplante Bewerbung der Stadt Offenburg für die Austragung der Landesgartenschau 2034 ein. Am Beispiel Lahr könne man sehen, dass sich der Aufwand lohne. Ziel sei, Flächen für Freiräume zu sichern und dabei die gesamte Stadt im Blick zu haben. Es gehe schon lange nicht mehr um eine Blümchenschau. Beim dritten Anlauf solle es nun klappen: "Wir glauben einfach, dass wir jetzt dran sind." Das Konzept sieht vor, Offenburg wieder an die Kinzig zu holen. Derzeit trenne der begradigte Fluss die Stadt in einen West- und einen Ostteil, wobei das Gewässer gar nicht bewusst wahrgenommen werde. "Wir wollen eine Landesgartenschau und glauben einfach, dass wir jetzt dran sind." Oliver Martini, Baubürgermeister Die Menschen hätten Sehnsucht nach Wasser, diese Sehnsucht soll gestillt werden, indem der "Kanal" zu einem Naturfluss umgestaltet werde. Vorgesehen sei darüber hinaus, das Gelände der ehemaligen Burda-Druckerei sowie das Karl- Heitz-Stadion einzubeziehen und einen neuen Sportpark anzulegen. Um alle diese Vorhaben umzusetzen, brauche es Zeit. Martini betonte, dass eine Landesgartenschau nicht ausschließlich eine Maßnahme der Stadt sei, sondern von Vereinen, Unternehmen sowie der ganzen Bevölkerung getragen werden müsse. "Nur wenn wir die Landesgartenschau breit verankern, wird sie funktionieren." Der Dezernent wünscht sich, dass die ganze Stadt Offenburg aufsteht und sagt: "Wir wollen eine Landesgartenschau." Rainer Huber, Sprecher der Geschäftsführung von Edeka Südwest, bedauerte, dassOBEdith Schreiner "zum letzten Mal in offizieller Funktion" beim Unternehmen sei. Huber ging auf die Geschichte des OrtenauerWeinkellers ein, die damit begann, Tankweine zu kaufen und abzufüllen. 1961 wurden erstmals auch Trauben gekauft, der Keller wurde um die ersten Winzer und deren Anbauflächen erweitert: "Die Erzeugergemeinschaft, wie wir sie heute noch kennen, war geboren." Im selben Jahr wurden mehrere Sammelstellen ins Leben gerufen,umden Winzern zu ermöglichen, ihre Trauben für die weitere Verarbeitung an den OrtenauerWeinkeller zu übergeben. Bereits damals hat sich das Anbaugebiet von der Ortenau über den Breisgau bis hin zum Kaiserstuhl und Tuniberg erstreckt. 1970 tauchte erstmals die Bezeichnung "Ortenauer Weinkeller" auf und damit ein klares Bekenntnis zur Region. Mit dem Umzug in die Edekastraße rückte der Weinkeller in eine prominentere Lage: "Bisher haben wir uns ein bisschen versteckt", so Huber. Vom Spatenstich bis zum Bezug vergingen lediglich 15 Monate. Entstanden ist ein hochmoderner Betrieb, der einen noch effizienteren Ablauf während der Erntezeit und im Regelbetrieb erlaube. Auf rund 11000 Quadratmetern, im 13 Meter hohen Tanklager und im acht Meter hohen Vollgutlager gibt es Platz für acht Millionen LiterWein und 1,8 Millionen Flaschen Rebensaft. Pro Stunde können 70 Tonnen Trauben verarbeitet werden. Am Rekordtag im Herbst 2018 wurden insgesamt 550 Tonnen in Empfang genommen - bis nachts um 3 Uhr. Anders als früher werden Rot- und Weißweine gleichzeitig produziert: "Der neue Weinkeller vereint langjährige Erfahrung mit Effizienz und moderner Technologie." Die Anbaugebiete liegen in ganz Baden, von Tauberfranken bis Ihringen. Die Kellermeister machen sich vor Ort, in den Reben, ein erstes Bild: "Da fängt die Arbeit an", unterstrich Huber. Geschäftsleiter Duschan Gert formulierte als Ziel, "den Wein zu erleben". Mit Wertschätzung gegenüber denWinzern gehe es los. Bei der Führung unterstrich Chef-Kellermeister Herbert Agradetti, dass 2018 ein ausgesprochen gutesWeinjahr werde, in dem die 100-Grad-Öchsle-Marke fast durchgehend geknackt werde: "Wir können uns auf sehr viel Alkohol freuen", betonte er schmunzelnd. Besonders stolz sei er auf den Barriquekeller mit einer Affental- Auslese als Flaggschiff. Kostproben aus den Vorjahren haben die Besucherinnen und Besucher im Anschluss genießen können.

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