05.09.2012
Pressespiegel

Ein bisschen Fantasie ist nötig

Erstellt von Badische Zeitung

Erst Offenburg, jetzt Kehl — in der Ortenau wird das zweite ehemalige Gefängnis zum Wohnhaus umgebaut

VON UNSERER REDAKTEURIN MARTINA PHILIPP

KEHL Wohnen, wo einst andere hinter Gitter saßen: Das hat zweifelsfrei spezi­ellen Charme. In Zeiten, in denen Im­mobilien in Toplagen selten sind, wird man eben erfinderisch. In Kehl laufen derzeit die Planungen, das ehemalige Gefängnis, das sich in bester Lage befin­det, in ein Wohnhaus mit Apartments umzubauen. Nur 15 Kilometer Luftlinie entfernt, in Offenburg, entsteht im ehe­maligen Knast ein Boardinghaus.

"Da kommt dann der Esstisch hin", sagt Jürgen Grossmann. So wie der Architekt da im Flur steht, gestikuliert und redet, sieht er es offenbar deutlich vor sich: den langgezogenen Buchenholztisch, direkt vor der Glasfront zur Terrasse hin, mit Jürgen Grossmann vor einer Tisch-tennisplatte im Innenhof Blick auf den Swimmingpool nebst Rosen­busch. Wer eine weniger ausgeprägte Vor­stellungskraft hat, der sieht zwei Gefäng­niszellen, kaum größer als Abstellkam­mem. Sie stehen leer, bis auf Klo und Waschbecken hinter der Tür, der Blick bleibt am zweifach vergitterten Fenster hängen, an einem Aufkleber der Fußball-WM 2006 mit Kevin Kuranyi und am er­staunlich schönen Fischgrätenparkett.

Ein paar Zellen weiter hat ein ehemali­ger Insasse aus vielen kleinen Apfelauf­klebern Marke "Unsere Heimat" das Da­tum 20.3.9 auf die Innenseite nachge­klebt. Im März 2009 räumten Polizisten das Gefängnis und entließen oder verleg­ten die letzten Häftlinge. In derJustizvoll­zugsanstalt (JVU) sollten während des Nato-Gipfels in Straßburg, Kehl und Ba­den-Baden 2009 bei Bedarf militante De­monstranten vorübergehend unterge­bracht werden, wie Kehls Sprecherin An­nette Lipowsky berichtet. Seither kom­men verurteilte Straftäter aus der Region in die neue NA in Offenburg, seither steht das Kehler Gefängnis leer.

Das Land als Eigentümer sei mehrfach an die Stadt herangetreten, ob sie das Ge­bäude nicht kaufen wolle: "Der Gemein­derat hat es damals auch besichtigt", so Lipowsky. Letztlich habe sich aber keine städtische Einrichtung gefunden, die man hätte in dem Gebäude unterbringen kön­nen -bei den Minizellen. "Außerdem wä­re der Aufwand, es umbauen und sanie­ren zu lassen, mit Sicherheit gigantisch gewesen." Das 1915 erbaute Haus steht nämlich unter Denkmalschutz.

Das weiß auch der Projektentwickler Jürgen Grossmann, dessen Firma von ei­nem privaten Investor den Auftrag erhal­ten hat, das Gefängnis großflächig umzu­planen. Grossmann zeigt, wie einer sei­ner 28 Mitarbeiter bereits Löcher in eine Zellendecke gebohrt hat, um die Gebäu­desubstanz begutachten zu können. "Wenn man die statische Struktur igno­riert und drüberplant, dann kann das sehr teuer werden", so Grossmann. Für sein Vorhaben, aus dem einen Gebäudeteil ein Wohnhaus zu machen und im anderen aus jeweils zwei Zellen ein Appartement mit einem im heutigen breiten Flur ange­legten Bad zu machen, schätzt er, dass das bis zu 1500 Euro pro Quadratmeter kos- ten wird. Bei 700 Quadratmeter im Erd­und Obergeschoss ergäbe das allein eine Million Euro. Kein Schnäppchen, aber es könnte sich lohnen. Kehls Gefangene leb­ten schließlich mitten im Villenviertel in bester Nachbarschaft.

Zum Beispiel neben Annette Lipowsky. Die Stadtsprecherin wohnte einige Jahre direkt neben der Anstalt und erinnert sich noch gut ans Unkrautjäten im Garten - samt Gejohle aus den vergitterten Fens­tern heraus. Und wenn sie mit der Familie im Garten Tischtennis spielte, schallte es schon mal vom Gefängnishof - wo noch heute zwei graue, verwitterte Tischten­nisplatten inmitten von wilden Sträu­chern stehen - über die Mauer: "Könnt ihr nicht spielen, so oft, wie euch der Ball runterfällt?" Gelegentlich habe auch je­mand bei ihnen im Garten gestanden und versucht, etwas über die Mauer in den Gefängnishof zu werfen.

Im Wärterzimmer im Obergeschoss hängt noch der Belegungsplan

"Alles in allem war die Nachbarschaft aber insofern von Vorteil, als die sich nie beschwert hat, wenn bei einem Grillfest im Garten mal lauter gelacht wurde", sagt Annette Lipowsky. Erst kurz vor dem Nato-Gipfel habe sie dann plötzlich auf der anderen Seite der Mauer gestanden, in einer ganz anderen Welt - "das war dann schon ein komisches Gefühl".

Im Wärterzimmer im Obergeschoss hängt noch heute der Belegungsplan. Auf kleinen, weißen, mit Hand auseinander-gerissenen Zetteln stehen die Namen der letzten Insassen. Sie werden keine har­monische Zelt in Kehl verbracht haben. Knapp zehn Jahre ist es her, dass der da­malige Leiter der Anstalt Mitarbeitern der Stadt Kehl berichtete, dass ihm die Ge­walt unter den Insassen und gegenüber dem Personal große Sorgen bereite. Die deutliche Mehrheit sei demnach drogen­abhängig gewesen, sagte er damals. Das Gefängnis, ausgelegt für 30 Häftlinge, war meist deutlich überbelegt.

Jürgen Grossmann ist überzeugt davon, dass in einem Gebäude rein gar nichts von Menschen bleibt, die einst da lebten oder leben mussten. So wie er guckt, ist klar: Er hält solche Gedanken für pure Esoterik. Schließlich lässt er neue Wände bauen, neue Farbe auftragen, und dann ist das alles wie neu. Im alten Offenburger Gefängnis, in diesen zwei wuchtigen Sandsteingebäuden, gibt er aber zu, habe selbst er viel Fantasie gebraucht, um es in ein Boardinghaus mit 50 komplett eingerichteten Apartments - unter anderem für Studenten - umbauen zu lassen: "Das war viel schlimmer, als das hier in Kehl; maximal depressiv." Grossmanns Büro hat sich, so sagt er, auf den Umbau von Im­mobilien spezialisiert, bei denen sonst keiner so richtig wisse, was man daraus machen könne - wie etwa das Lahrer Ka­sernenareal oder die 1842 erbaute Psych­iatrie in Achern, die Illenau.

Friedrich Jacobs, Denkmalpfleger im Regierungspräsidium Freiburg, ist froh, dass die Kehler Anstalt eine neue Bestim­mung erhält. "So stellt man sich als Kino­gänger ein klassisches Gefängnis vor", tut er in einer Mitteilung kund: "Dieses Do­kument der Zeitgeschichte zu erhalten und gleichzeitig Wohnqualität erlebbar zu machen, dieser Spagat ist sicher eine Herausforderung."

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