19.06.2013
Pressespiegel

Der Phantasie Raum lassen

Erstellt von Mittelbadische Presse

Helmut Nitschke vom E-Werk Mittelbaden geht in Rente / Sein Herzblut gehört dem Unternehmen und der Malerei

Helmut Nitschke (63) lässt seinen Job beim E-Werk Mittelbaden nicht einfach gemütlich auslaufen. Er arbeitet bis zum letzten Tag, als wäre nichts gewesen. Im Ruhestand will er weiterarbeiten, weil er gerne mit Menschen zu tun hat. Und er hat mehr Zeit für seine große Leidenschaft, das Malen, wie er im Interview mit der MITTELBADISCHEN PRESSE verrät. VON CHRISTOPH RIGLING UND TOBIAS SYMANSKI • Herr Nitschke, Sie gehen Ende des Monats als Chef des E-Werks Mittelbaden in den Ruhestand. Doch lassen Sie uns zuerst über den Rückenakt sprechen... NITSCHKE: ... (lacht) wie kommen Sie jetzt darauf? • Sie malen doch welche. NITSCHKE: Vor ein paar Jahren habe ich in einer Gruppenausstellung tatsächlich zwei Bilder gezeigt. Und zufällig waren diese Bilder auf einem Foto in der Zeitung zu sehen. • Aber warum malen Sie ausgerechnet Rückenakte? NITSCHKE: Das ist ein lange Geschichte.• Herrlich, erzählen Sie sie doch bitte. NITSCHKE: Als ich mit dem Abitur fertig war, wollte ich Kunst und Architektur studieren. Ich habe schon immer gerne gezeichnet. Mein Tagebuch ist mein Skizzenblock. Mein Vater hat jedoch gesagt, das ist ein Hungerleiderberuf: »Das machst du nicht.« Mein Vater hatte eine bestimmende Art und ich habe damals auf ihn gehört. Dann habe ich nach etwas Rechtem geschaut und Elektrotechnik studiert. • Die Leidenschaft zur Kunst ließ Sie aber nicht los. NITSCHKE: Ich habe mich nebenher insbesondere mit Porträtzeichnen beschäftigt und war in verschiedenen Malgruppen. Da kommt man automatisch zum Aktzeichnen. Und in Lahr habe ich mich der Akt-Gruppe von Professor Schuchard angeschlossen. • Und warum jetzt der Rücken? NITSCHKE: Ich mag die offenen Akte von vorne nicht so sehr. Die zeigen zu viel und lassen der Phantasie keinen Raum. Ich setze mich in unserem Kurs dann immer so, dass ich die Rückenansicht habe. In der Haltung des Rückens lässt sich viel ausdrücken, Stimmungen und Launen erkennen. Und natürlich auch Erotik. Malen ist für mich Entspannung. Ich kann dabei völlig abschalten und alles andere vergessen. Leider hat mir mein Engagement beim E-Werk Mittelbaden dazu viel zu wenig Zeit gelassen. • Das alles passt mit Ihrem doch eher nüchternen Beruf des E-Werk-Chefs nicht wirklich zusammen. NITSCHKE: Mein Ingenieursleben hat sich anders entwickelt als der klassische Weg, der ans Reißbrett führt. Ich bin bei meinem ersten Arbeitgeber schnell Assistent der Geschäftsleitung geworden. Mir ist schon in jungen Jahren Verantwortung übertragen worden. Ich habe die Erwachsenenbildung geleitet und ein Sicherheitszentrum aufgebaut. Mit Menschen umgehen, Abläufe zu koordinieren und zu optimieren hat mir immer sehr viel Freude bereitet. Das ist auch meine Stärke. • Ihr Wechsel weg von der Leidenschaft hin zum anständigen Beruf haben Sie den mal bereut? NITSCHKE: Eigentlich nicht. Ich habe natürlich schon mal nachgedacht, ob es die richtige Entscheidung war. Es ging aber immer irgendwie weiter nach oben. Ich war der jüngste Abteilungsleiter, der jüngste Geschäftsführer. Es gab immer etwas Neues. Im Schwäbischen sagt man: Es ist halt »so no worre«. • Wie bitte? NITSCHKE: Es ist gekommen, wie es gekommen ist. Und ich habe es nicht bereut. • Durften Ihre Kinder wenigstens beruflich machen, was sie wollten? NITSCHKE: Jein. • Was Anständiges muss es schon sein? NITSCHKE: Eine meiner Töchter kommt eher nach mir und hat im Abitur ihren Schwerpunkt auf Kunst und Mathematik gelegt. Sie ist dann Bauingenieurin geworden. Die andere Tochter ist Bankbetriebswirtin. Beide haben sich ihre Berufe selbst aus-gesucht. • Gibt es noch eine andere Leidenschaft in Ihnen, die Sie jetzt in Ihrer Rente ausleben werden? NITSCHKE: Ich bin schon immer gerne gereist. Wenn andere sich ein Haus gebaut haben, bin ich weltweit verreist. Wir leben heute noch eher bescheiden. Mein Geld schwimmt auf den Meeren. Ich segle gerne, habe ein eigenes Boot. Und da wird ein Urlaub schon mal in der Südsee verbracht. Mein größtes Erlebnis war ein vierwöchiger Segelurlaub bei den Galapagosinseln im Pazifik. Phantastisch. Das möchte ich nicht mehr missen. • Nun müssen wir mal einen Schnitt machen. Am 1. Juli endet Ihre Zeit als Vorstandschef beim E-Werk Mittelbaden. Sie bleiben beratend tätig. Aber der Schwerpunkt wird wohl auf der Rente liegen. Können Sie sich das vorstellen? NITSCHKE: Ehrlich gesagt nein. Ich habe auch gleich gesagt, ich mache bis zum letzten Tag meine Arbeit so wie immer und lasse es nicht auslaufen. Danach werde ich durchschnaufen und mich neu orientieren. Ich sehe mich dann in beratenden Tätigkeiten, in der Arbeit mit Menschen. • Das Loslassen liegt Ihnen nicht. Stimmt's? NITSCHKE: Das kann man so sagen. Mein Herzblut hängt noch sehr am E-Werk Mittelbaden. Ich habe es so zu führen versucht, als wäre es mein eigenes. Und wenn man zusammen mit seiner Mannschaft Erfolg hatte, fällt es schwer, zu gehen. • Warum machen Sie nicht weiter? NITSCHKE: Es wäre ja höchstens eine Verschiebung um ein, zwei Jahre gewesen. Und es war von Anfang an so vorgesehen. Ich wollte nach den zweiten fünf Jahren als Vorstand aufhören. Ich bin auch der Meinung, dass eine neue Führung alle zehn Jahre einem Unternehmen guttut. • Wo werden Sie Ihr Wissen beratend einbringen? NITSCHKE: Nun, zunächst bin ich beim E-Werk Mittelbaden beratend tätig. Dann muss man sehen, was sich ergibt. Wer meinen Rat sucht, wird ihn auch bekommen. Es gibt in der Branche noch genügend interessante Aufgaben, beispielsweise das Thema regenerative Energien und Energieeffizienz. Da wird sich noch einiges tun. Wir stehen mit dem Umbruch in der Energiewirtschaft noch ganz am Anfang. • Viele Kommunen sind auf die Idee gekommen, ein Stadtwerk zu gründen. Wird der Trend zur Dezentralisierung anhalten? NITSCHKE: Auch wenn die Bedeutung der großen Energieversorger abnimmt, glaube ich das nicht. Es wird eine gewisse Ernüchterung eintreten. Für Kommunen von zum Beispiel unter 30000 Einwohnern ist das ein schwieriger Weg. Sie sollten ein ähnliches Konstrukt wählen wie beim E-Werk Mittelbaden. Mehrere Kommunen sollten ihre Energieversorgung zusammenschließen, um sie professionell managen zu lassen, und sich dann am gemeinsamen Unternehmen beteiligen. Das E-Werk Mittelbaden gehört ja zum Beispiel auch mit über 70 Prozent den Kommunen, für die es die Energieversorgungsaufgabe übernimmt. • Und wie wird sich die Energiewende auf den Privathaushalt auswirken? NITSCHKE: Die Entwicklung ist eindeutig. Der Energieverbrauch wird langfristig weiter sinken. Die eigentlichen Kosten der regenerativen Energieerzeugung werden ebenfalls weiter sinken. Sehr teuer wird die Infrastruktur und die Dienstleitung rund um den Strom. Und die kann man nicht in Kilowattstunden messen. Wir werden also irgendwann eine Art Flatrate für den verbrauchten Strom bekommen und zusätzlich noch einen sehr hohen leistungsabhängigen Infrastrukturpreis. Ferner wird noch lange Zelt die EEG-Subvention den Strom verteuern und die staatlichen Abgaben dürfen nicht unerwähnt bleiben. Die Energiewende kostet ihren Preis und wird sich erst langfristig rentieren. • Hat die Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland überhaupt einen Vorteil gebracht? NITSCHKE: Die Liberalisierung war notwendig. Leider ist keine freie Marktwirtschaft entstanden, sondern ein staatlich gelenkter Wettbewerb. Nur beim reinen Stromverkauf existiert ein hart umkämpfter Markt, in dem viel Geld verbrannt wird. • Wie das? NITSCHKE: Das zeigt sich darin, dass schon der dritte große Internethändler »Billiganbieter« in Insolvenz ging und hunderttausende Kunden dort viel Geld verloren haben. Alles andere ist - zunehmend auch aufgrund der Energiewende - stark reguliert. Keine Regierung der vergangenen zehn Jahre hat hier eine echte Kurskorrektur vorgenommen. Es gibt leider keinen »Masterplan« und kein "Projektmanagement" für die Energiewende, sondern eine ständige politische Kompromisssuche und aus der Not heraus entstanden staatliche Eingriffe in die Energiewirtschaft, wie die eben neu beschlossene »Reservekraftwerksverordnung«, die am Ende wieder alle Kunden bezahlen müssen. HINTERGRUND Seit einem knappen Jahrzehnt ist er das Gesicht des E-Werks Mittelbaden. Er verpasst dem kommunalen Energieversorger aus Lahr ein neues ökologischeres Image. Das E-Auto gehört zu seinen Lieblingsprojekten. Die Energiewende sieht er im weltweiten Maßstab. Helmut Nitschke ist Mister E-Werk. Ende Juni ist damit jedoch Schluss. Dann ist Nitschke 63 und für eine dritte fünfjährige Amtsperiode zu alt. Sein Nachfolger wird Ulrich Kleine (53), der derzeit Geschäftsführer der EnBW Kommunale Beteiligungen ist. rlg

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