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Gemeinsam kommunizieren

Peter Schlötter stellt bei WRO Methoden vor, wie Firmen sich wettbewerbsfähiger machen

Von Sabrina Deckert Lahr. Woran liegt es, wenn ein Unternehmen nicht richtig rund läuft? Wenn das Potenzial der Mitarbeiter nicht ausgeschöpft werden kann? Und was kann man als Vorgesetzter dagegen tun? Peter Schlötter, Psychologe, Therapeut und Teamcoach, hat den Gästen der Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau (WRO) auf dem Zeitareal in Lahr Antworten gegeben. Sein Vortrags- und Workshopthema: »Das Unternehmen fit machen für die Championsleague« - denn Vergleiche zwischen Arbeitsalltag und dem Fußball seien hilfreich um den Sand aus dem Getriebe zu bekommen. »Wenn es in einem Unternehmen hakt, ist meist nicht die Fachqualifikation der Mitarbeiter das Problem, sondern es liegt daran, wie die Menschen zusammenarbeiten und kommunizieren«, erklärte Peter Schlötter. Die Kommunikation des Vorgesetzten mit den Mitarbeitern und auch die der Angestellten untereinander sei oft in einem blinden Fleck verborgen, werde als zu unwichtig erachtet. Dabei sei sie der Schlüssel zum Erfolg. »Ich möchte, dass alle Beteiligten Effizienz und Lebensfreude erlangen«, sagte Schlötter. »Denn es macht enorm Spaß in einem Team zu arbeiten, das einen Lauf hat.« Um das zu verdeutlichen zeigte der Therapeut eine Spielsequenz aus dem Fußballklassiker Deutschland gegen Italien - und pickte sich die Situation heraus, in der vier Deutsche gemeinsam ein Tor machen. Gut, am Ende hat es Miroslav Klose geschossen, aber ohne die Vorbereitung, die Abstimmung und die Rückendeckung der anderen drei Spieler hätte er diesen Erfolg niemals verbuchen können. Fußballprofis trainierten jeden Tag, reflektierten ihr Spiel, redeten mit ihrem Team über Gutes und Schlechtes um dann ein bis zwei Mal die Woche in einem Spiel das zu zeigen, was sie die restlichen fünf Tage gelernt haben. Arbeitnehmer bestritten jeden Tag ein Pflichtspiel und reflektierten so gut wie nie. »Oft reicht es schon, wenn man sich einmal im Jahr hinsetzt und gemeinsam über Gutes und Schlechtes spricht. Und das offen und ehrlich und ohne nachtragend zu sein«, führte Schlötter aus. Als Mittel dafür stellte er die Systemaufstellung und den Kommunikationstacho vor. Bei der Systemaufstellung werden alle Teammitglieder auf den Platz gestellt, auf dem sie in den Augen eines Kollegen stehen - bei einem Team mit sechs Mitarbeitern wird die Aufstellung also sechs Mal gemacht. Dann wird darüber geredet, wer wo warum steht, wie derjenige sich dabei fühlt und wie jeder einzelne seine Situation verbessern kann. Der Kommunikationstacho zeigt laut Schlötter schnell und anonym, wie die Stimmung in der Gruppe ist. Jedes Mitglied bekommt einen Zettel, auf dem ein Tacho von minus zehn bis plus zehn aufgezeichnet ist, wobei null »so lala« und plus zehn paradiesische Zustände sind. Geheim kreuzt jeder an, wie er die Situation der Kommunikation im Team empfindet. Dann wird daraus der Mittelwert errechnet und so ermittelt, wie das Klima ist. Bei einem schnellen und anonymen Tachocheck bei den Zuhörern kam heraus, dass sie in einem fiktiven Team empfinden. Schlötter errechnete einen Wert von 3,3. »Das ist ein realistischer Wert für eine deutsche Firma - es knirscht ordentlich«, betonte Schlötter. Wäre das ein Auftrag für ihn, so setze er sich jetzt mit allen Beteiligten zusammen und starte mit der Frage, was das Team gut macht - um danach die Fehler im System zu erfragen. »Es muss offen und ehrlich alles auf den Tisch«, ist der Psychologe überzeugt. »Das was den Tachowert gut und das was den Tachowert schlecht macht. Es muss über alles geredet werden.«